Klimawissen

Durch Menschen verursachte CO2-Emissionen verändern in zunehmendem Maße unser Klima. Die negativen Auswirkungen für Mensch und Natur sind bereits jetzt nicht mehr zu übersehen.

Wissen Sie, welchen Einfluss das menschliche Handeln auf die Entwicklung des Klimas hat und zu welchen Konsequenzen dies in Zukunft führt? Zusammengestellt aus dem vierten Sachstandsberichtes des Weltklimarates finden Sie hier Antworten auf wesentliche Fragen rund um das Thema „Klimawandel“.

Welche Faktoren beeinflussen das Klima?

THG Konzentration
THG Konzentration
Veränderungen in der atmosphärischen Konzentration von Treibhausgasen und Aerosolen, der Sonneneinstrahlung und der Beschaffenheit der Landoberfläche beeinflussen die Entwicklung des Klimas auf der Erde. Die sechs wichtigsten Treibhausgase sind Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan (CH4), Distickstoffoxid (Lachgas, N2O), teilhalogenierte Flurkohlenwasserstoffe (H-FKW/HFC), perfluroierte Kohlenwasserstoffe (FKW/PFC) und Schwefelhexafluorid (SF6). Die Konzentrationen von Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4)und Lachgas (N2O) sind als Folge menschlicher Aktivitäten seit 1750 stark gestiegen. Sowohl die Konzentrationen als auch die Steigerungsraten übertreffen heute die über viele Jahrtausende nachweisbaren Werte bei Weitem (sh. Grafik).

Der Anstieg der Kohlendioxidkonzentration ist dabei primär auf die Nutzung fossiler Energieträger und zum kleineren Teil auf Landnutzungsänderungen, wie zum Beispiel der Abholzung des Regenwaldes, zurückzuführen.

Jeder Europäer verursacht unter anderem durch Konsum, Mobilität und Wohnen pro Jahr Treibhausgase, die der Klimawirkung von 10,2 t CO2 entsprechen. Wollen Sie wissen wie Ihre eigene CO2-Bilanz aussieht? Mit unserem Emissionsrechner können Sie diese in wenigen Minuten berechnen.

Wie hat sich unser Klima bereits jetzt verändert?

Folgen des Klimawandels
Folgen des Klimawandels

Es ist inzwischen offensichtlich, dass sich die Erdatmosphäre erwärmt: Die mittleren globalen Luft- u. Meerestemperaturen steigen an, Schnee- und Eisvorkommen schmelzen und der mittlere globale Meeresspiegel steigt. (sh. Grafik).

Dreizehn der letzten fünfzehn Jahre (1995 – 2009) gehören zu den vierzehn wärmsten Jahren seit der instrumentellen Messung der globalen Erdoberflächentemperatur (Beginn 1850). Der Zeitraum 2000 bis 2009 war damit das wärmste Jahrzehnt.
Im IPCC Sachstandsbericht 2007 wird der 100jährige lineare Erwärmungstrend (1906–2005) auf 0,74°C beziffert. Ein Anhaltspunkt für die Beschleunigung ist, dass nahezu zwei Drittel dieser Erwärmung über die letzten 50 Jahre stattfand.

Erderwärmung 2000-2009
Temp.-vergleich 2000-´09 mit 1951-´80

Die Verluste der Eisschilde in Grönland und der Antarktis sowie die thermische Ausdehnung haben wesentlich zum Meeresspiegelanstieg von 0,17m im 20. Jahrhundert beigetragen. Lokal zu beobachtende Auswirkungen des Klimawandels sind unter anderem überproportionale Änderungen der Temperaturen und des Eises in der Arktis sowie verbreitet Änderungen in den Niederschlagsmengen, im Salzgehalt der Ozeane, in Windmustern und Zunahme extremer Wetterereignisse wie Trockenheit, Starkniederschläge, Hitzewellen und tropischen Wirbelstürmen. Für viele Ökosysteme hat dies bereits heute nachhaltige negative Folgen.

  • Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, wie hitzebedingte Sterblichkeit in Europa, Übertragung von Infektionskrankheiten in einigen Gebieten und allergene Pollen,
  • Auswirkungen auf die Land- und Forstwirtschaft in der nördlichen Hemisphäre, wie frühere Aussaat und zunehmender Schädlingsbefall,
  • Verkürzte Vegetationszeiten und Ernteausfälle durch wärmere und trockenere Bedingungen in weiten Teilen Afrikas,
  • Verlust von Küstenfeuchtgebieten und Mangroven sowie in zahlreichen Gebieten zunehmende Schäden durch Küstenüberflutung infolge des gestiegenen Meeresspiegels.

Die Erderwärmung des letzten halben Jahrhunderts ist zumindest für die letzten 1300 Jahre ungewöhnlich. Die beobachtete weit verbreitete Erwärmung der Atmosphäre und des Ozeans zusammen mit dem Eismassenverlust unterstützen die Schlussfolgerung, dass es äußerst unwahrscheinlich ist, dass die Klimaänderung der letzten 50 Jahre allein auf bekannte natürliche Ursachen zurückgeführt werden kann. Der Ausstoß von Treibhausgasen (Kohlendioxid, Lachgas, Methan, etc.) durch den Menschen hat dazu den entscheidenden Beitrag geleistet.

Wie wird sich das Klima zukünftig verändern?

Andauernd gleich hohe oder höhere Treibhausgasemissionen als heute würden eine weitere Erwärmung verursachen. Basierend auf einer Reihe von Szenarien wird für die nächsten zwei Jahrzehnte bereits eine Erwärmung von 0,2 °C pro Jahrzehnt projiziert. Im Vergleich erwärmte sich die Erdatmosphäre in den letzten 50 Jahren pro Jahrzehnt nur halb so stark (0,1 °C). Die Änderungen im globalen Klimasystem werden im 21. Jahrhundert sehr wahrscheinlich viel größer als die im 20. Jahrhundert ausfallen.

Prognose Temperaturentwicklung
Bandbreite projizierter Erderwärmung

Die besten Schätzungen und wahrscheinlichen Bandbreiten für die mittlere globale Erwärmung an der Erdoberfläche bis Ende des 21. Jahrhunderts liegen zwischen 1,8 °C (Bandbreite: 1,1 – 2,9 °C) für das niedrige Emissionsszenario und 4,0 °C (Bandbreite: 2,4 – 6,4 °C) für das hohe Emissionsszenario. Die größte Erwärmung wird über dem Land und in den meisten hohen nördlichen Breiten erwartet (sh. Grafik). Der Meeresspiegel wird bis zum Ende des 21. Jahrhunderts um 18 bis 59 cm ansteigen. Die Schneebedeckung wird abnehmen und das Meereis in der Arktis und Antarktis schrumpfen. Einige Szenarien legen nahe, dass das Meereis der Arktis im Spätsommer fast vollständig verschwindet. Tropische Wirbelstürme werden intensiver. Das Klima in Europa wird durch eine Verschiebung der außertropischen Zugbahnen der Stürme polwärts wesentliche Änderungen der Wind-, Niederschlags- und Temperaturverhältnisse erfahren. Wetterextreme werden weiter zunehmen.

Welche Auswirkungen des Klimawandels sind in Zukunft zu erwarten?

Die bereits zu beobachtenden negativen Auswirkungen der letzten Jahre werden sich in Zukunft verstärken. Bei einem Anstieg der mittleren globalen Temperatur um mehr als 1,5-2,5°C und einem gleichzeitigen Anstieg der CO2-Konzentration in der Luft wird es erhebliche Veränderungen der Struktur und Funktion von Ökosystemen und der Verbreitung von Arten geben.

Zukünftige Folgen des Klimawandels
Projizierte Auswirkungen

Dabei werden viele der ärmsten Regionen der Welt aufgrund von Mehrfachbelastungen und niedriger Anpassungskapazität die verwundbarsten Regionen gegenüber Klimaschwankungen und -änderungen sein. Für Afrika wird projiziert, dass bereits bis zum Jahr 2020 bis zu 250 Millionen Menschen aufgrund der Klimaänderung unter zunehmender Wasserknappheit leiden. In einigen afrikanischen Ländern könnten sich die Erträge aus der vom Regen abhängigen Landwirtschaft bis 2020 um bis zu 50% reduzieren und somit die Nahrungsmittelknappheit auf dem Kontinent verstärken. Überhaupt werden sich von Dürre betroffene Gebiete weltweit flächenmäßig ausdehnen. Für nahezu alle Regionen Europas werden durch einige künftige Auswirkungen der Klimaänderung nachteilige Beeinträchtigungen erwartet. Für die überwiegende Mehrheit von Ökosystemen wird sich eine Anpassung an den Klimawandel als schwierig erweisen. In den Gebirgsregionen wird es zu einem weiteren Rückzug der Gletscher, einem Rückgang der Schneefälle und zu einem erheblichen Verlust der Arten (in Hochemissions-Szenarien in manchen Gebieten um bis zu 60% bis 2080) kommen. Für Südeuropa werden schlechtere Lebensbedingungen durch hohe Temperaturen und geringere Wasserverfügbarkeit projiziert. In Mittel- und Osteuropa werden die Niederschläge im Sommer abnehmen und das gesundheitliche Risiko als Folge von Hitzewellen zunehmen. Alle Auswirkungen sind stark vom Temperaturverlauf abhängig (sh. Grafik).

Welche Entwicklung der CO2-Emissionen wird prognostiziert?

Die weltweiten Treibhausgasemissionen haben seit der Zeit vor der Industrialisierung stark zugenommen (zwischen 1970 und 2004 mit einem Anstieg von 70%). Über den Zeitraum 1970 – 2004 haben sich die Emissionen des Energieversorgungssektors und des Verkehrs verdoppelt. Die Industrie steigerte ihre Emissionen um 65% und für Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft stieg der Wert um 40%. In einigen Ländern und Sektoren führten politische Maßnahmen zu Emissionsrückgängen. Der Umfang dieser Maßnahmen war jedoch zu gering, um den weltweiten Emissionszuwachs zu stoppen. Ohne stärkere politische Anstrengungen (insbesondere auch hinsichtlich eines internationalen Folgeabkommens zum 2012 auslaufenden Kyoto-Protokoll) werden die globalen Emissionen von Treibhausgasen über die nächsten Jahrzehnte weiter zunehmen.

Emissionen pro Kopf
CO2-Emissionen pro Kopf
Ein überproportional hoher Anteil des Zuwachses wird dabei aus Entwicklungs- und Schwellenländern stammen, wobei deren durchschnittliche Pro-Kopf-CO2-Emissionen immer noch wesentlich unter denen der Industrieländer liegen werden. Die globale atmosphärische Kohlendioxidkonzentration ist von einem vorindustriellen Wert von etwa 280 ppm auf 379 ppm im Jahre 2005 angestiegen. Die atmosphärische Kohlendioxidkonzentration im Jahre 2005 übertrifft die aus Eisbohrkernen bestimmte natürliche Bandbreite der letzten 650.000 Jahre (180 bis 300 ppm) bei Weitem. Um die Erderwärmung bis 2050 auf max. 2,0 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen muss der Wert dauerhaft auf 350ppm gesenkt werden.

Welche Maßnahmen können zur Vermeidung von CO2-Emissionen beitragen?

Wir alle können zum Schutz des Klimas beitragen, indem wir regenerative Energiequellen nutzen und Verhaltensmuster hin zu mehr Ressourcenschutz ändern. Die Verringerung des Energiebedarfs steht dabei an erster Stelle und ist oft auch die kostengünstigste Maßnahme zum Schutz des Klimas. Insbesondere bei Gebäuden, im Verkehrssektor und in der Industrie können damit CO2-Emissionen beträchtlich reduziert werden.
Investitionen in die Energieversorgung in Entwicklungs- und Schwellenländern basierend auf regenerative Energieträger tragen aufgrund des dort sehr stark steigenden Energiebedarfs ebenfalls wesentlich zur Emissionsminderung bei. Darüber hinaus helfen diese Projekte klimafreundliche Technologien zu verbreiten und die volkswirtschaftlichen Kosten (und damit auch die eines jeden Einzelnen) für das Erreichen von Klimaschutzzielen zu minimieren. Beispiele hierfür sind die von Klima ohne Grenzen geförderten CO2-Kompensationsprojekte.
Ende 2012 läuft der Vertragszeitraum des Kyoto-Protokolls - der einzigen verbindlichen internationalen Regelung zum Klimaschutz - aus. Trotz vorherrschender Einigkeit über die Dringlichkeit, ist aufgrund der sehr unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Interessen nicht absehbar wann ein Folgeabkommen unterzeichnet wird. Gerade deshalb ist jetzt jeder Einzelne gefragt, eigenverantwortlich zu handeln und CO2-Emission zu reduzieren.

Links zum Thema Klimawandel:

IPCC Fourth Assessment Report (AR4) auf der Internetseite des IPCC

Deutsche Fassung der IPCC-Sachstandberichte auf der Internetseite der Deutschen IPCC-Koordinierungsstelle

EU-Energiestrategie 2020 auf der Internetseite der Europäischen Energiekommission

Quelle Foto: NASA’s Earth Observatory

Auf dem Laufenden bleiben